09.09.2021
Pilgerfahrt auf dem Lutherweg mit Zwischenstopp in Möhra und Steinbach

Mit vielen Bekanntschaften, Erlebnissen und Erfahrungen im Gepäck kam das Luther-Team aus Bad Liebenstein nach neun Tagen von der Pilgerreise von Worms zurück. In Tagesetappen begaben sich Initiator Marcus Malsch (CDU) und der ehemalige Landrat von Schmalkalden-Meiningen, Ralf Luther, mit der ersten elektrisch betriebenen Kutsche Thüringens auf die Spuren von Martin Luther. Dabei schlüpfte Ralf Luther selbst in die Rolle des Reformators. Kutscher Norbert Elsner aus Bad Liebenstein chauffierte die beiden auf dem Lutherweg 1521 im Zeitraum vom 30. August bis 7. September von Worms nach Eisenach. Dabei ließen sie täglich mit den Menschen vor Ort die Reise und die Entführung des Reformators nach 500 Jahren neu aufleben. Auf der letzten und einer der bedeutendsten Etappen durfte natürlich ein Zwischenstopp im Lutherstammort Möhra und der Entführungsstelle im Glasbachgrund nicht fehlen.

Lutherstammort Möhra – fester Platz in der Welt des Protestantismus

Am bekanntesten Wahrzeichen des Wartburgkreises, dem Lutherdenkmal in Möhra, wurde das Team von dem hauptamtlichen Beigeordneten der Stadt Bad Salzungen, Hannes Knott, Pfarrer Rudolf Mader und den Landfrauen aus Möhra begrüßt. Die Bedeutung als Herkunftsort des Vaters Martin Luthers spiegelt sich heutzutage unter anderem in dem Lutherdenkmal wieder, das 1861 in der Mitte des Ortes errichtet wurde. Vor seiner Schein-Entführung soll Luther am 4. Mai auf dem heutigen Lutherplatz noch gepredigt haben.

Nach der Begrüßung begann der Tag mit einem Pilgersegen in der historischen Lutherkirche. Danach ließ Touristenführer und Pfarrer i. R. Christoph Martin Neumann, begleitet von seiner Gitarre, das Bänkellied vom „Überfall im Glasbachgrund“ von Hans-Peter Felber auf humorvolle Art und Weise erklingen.

In der Ausstellung in der liebevoll eingerichteten Lutherstube im Dorfgemeinschaftshaus wurde für das Luther-Team die Lebensgeschichte des großen Reformators und seiner Vorfahren besonders greifbar. Wie man den Stammbaum entnehmen konnte, ist Möhra der Herkunftsort seines Vaters und dessen Vorfahren, die sich noch Luder oder Lüders nannten. Im Stammhaus der Familie, am Lutherplatz 1, soll Martin Luthers Vater Hans Luder zur Welt gekommen sein. Die Familie Luder besaß im 16. Jahrhundert ganze fünf Höfe in Möhra und gehörte zu den alteingesessenen Bauernfamilien. Bis heute leben noch Nachkommen Luthers in dem beschaulichen Ort. Luther selbst sagte später: "Ich bekenne, dass ich ein Bauernsohn von Möhra bei Eisenach bin."

Nach dem Frühstück machten sich die Wallfahrer mit Pfarrer Rudolf Mader, Pfarrer i. R. Christoph Martin Neumann und Franz Malsch auf dem Weg zum Schloss Altenstein, um Mario Voigt (Fraktionsvorsitzender im Landtag der CDU in Thüringen) mit an Bord zu nehmen.

 

"Stupps Bier" und Segen am Lutherdenkmal im Glasbachgrund

Als nächstes Ziel steuerten sie mit der 25 km/h schnellen E-Kutsche das Lutherdenkmal im Glasbachgrund bei Steinbach nahe Bad Liebenstein an. Dort steht das Denkmal aus dem Jahr 1857. Zur Zeit der Entführung wurzelte hier eine Buche, die spätere Lutherbuche. Hier wurde am 4. Mai Martin Luther zum Schein entführt und auf die Wartburg bei Eisenach gebracht. Getarnt als Junker Jörg übersetzt Luther das Neue Testament in die deutsche Sprache. 4 Jahre zuvor, am 31. Oktober 1517, veröffentlichte er in der Lutherstadt Wittenberg die 95 Thesen, um eine Diskussion über den Missbrauch des Ablasshandels anzuregen.

Vor dem Lutherdenkmal am Glasbachgrund überbrachten Wibke Endter – Pfarrerin in Steinbach – und die Beigeordnete der Stadt Bad Liebenstein, Susanne Rakowski, Grußworte. Durch das Programm führte Pfarrer Norbert Endter aus Schweina.

Zukünftig soll ein Wegweiser-Schild einen offiziellen Hinweis darauf geben, dass das Lutherdenkmal am Glasbachgrund nun zum Lutherweg 1521 gehört.

Thüringens Landtagsabgeordneter Marcus Malsch (CDU) berichtete von witzigen Anekdoten auf der Reise.
Anschließend stimmten alle in das populäre Reformationslied „Eine feste Burg ist unser Gott“ ein – begleitet mit der Posaune von Pfarrer Peter Nietzer aus Bad Liebenstein.

Regionalbischof Tobias Schüfer hielt eine kurze Andacht zu Luthers Gefangennahme und erteilte den Wallfahrern den Reisesegen. Das, was Martin Luther sich noch greifen konnte bei seiner Entführung, war das Neue Testament und die hebräische Bibel. „Wenn er das nicht gemacht hätte, würde ich die Bibel heute nicht in der Hand halten“, so Tobias Schüfer.
„Das, was die Reformation ausmacht, ist die Anbindung an die Heilige Schrift“, ergänzt er.

Die Nachricht vom Tod Martin Luthers hätte sich damals durch Bänkellieder nach Deutschland und Europa verbreitet. Somit wurde auch am Glasbachgrund noch einmal das Bänkellied  – welches von der Entführung und dem Neuen Testament handelt – von Pfarrer i. R. Christoph Martin Neumann vorgetragen.

Vor dem Lutherdenkmal stand ein Lutherstuhl, der aus der alten Lutherbuche gefertigt worden ist. Diese soll Zeuge von Luthers Entführung geworden sein. Nachdem der mächtige Baum 1841 einem Sturm zum Opfer fiel, wurden daraus Lutherandenken verarbeitet, die in ganz Europa verstreut sein sollen. Einige dieser Stühle hat Franz Malsch in der Kirche in Steinbach aufbewahrt.

Das letzte Wort hatte Ralf Luther alias Martin Luther. Er teilte einen Zettel aus mit der Überschrift „95 neue Thesen braucht das Land“. Darauf sollten die Weggefährten nun unter dem Aspekt der aktuellen Herausforderungen ihre eigenen Thesen aufschreiben, die zu einem späteren Zeitpunkt noch ausgewertet werden.

Wenn Luther heute noch unterwegs wäre, hätte er sich sicherlich mit Reiseproviant aus Steinbach versorgt. So gab es vor dem Aufbruch nach Eisenach für Luther und seine Weggefährten noch ein zünftiges "Stupps Bier" aus Steinbach und eine gescheite Brotzeit mit Knackern aus der Fleischerei Walther.


Mehr Fotos

 Ankunft auf dem Lutherplatz in Möhra.  Begrüßung auf dem Lutherplatz in Möhra durch den hauptamtlichen Beigeordneten der Stadt Bad Salzungen, Hannes Knott und Pfarrer Rudolf Mader.  Details des Lutherdenkmals.  Details des Lutherdenkmals.  In der Lutherkirche gab es einen Pilgersegen.  Pfarrer i. R. Christoph Martin Neumann trug das Bänkellied in der Lutherkirche vor.  Auf dem Weg zur Lutherausstellung.  Ralf Luther alias Martin Luther vor dem Gemeindehaus in Möhra.    Lutherausstellung in Möhra.  Der Stammbaum der Familie Luder/Luther.  Im Schloss Altenstein stieg Mario Voigt (Fraktionsvorsitzender im Landtag der CDU in Thüringen) in die E-Kutsche zu.  Ankunft am Lutherdenkmal am Glasbachgrund.  Pfarrer Norbert Endter führte durch das Programm.  Von links: Ralf Luther alias Martin Luther, Mario Voigt, Christoph Martin Neumann und Macus Malsch.  Beigeordnete der Stadt Bad Liebenstein, Susanne Rakowski, begrüßte das Luther-Team.  Auch von Pfarrerin Wibke Endter aus Steinbach kam ein Grußwort.    Regionalbischof Tobias Schüfer hielt eine kurze Andacht und erteilte den Wallfahrern den Reisesegen.  Zukünftig gehört das Lutherdenkmal am Glasbachgrund zur Route des Lutherweges 1521.  Noch einmal stimmte Pfarrer i. R. Christoph Martin Neumann das Bänkellied „Der Überfall im Glasbachgrund“ an.  Von links: Franz Malsch und alias Martin Luther.  Lutherstuhl, der aus der alten Luther-Buche gefertigt wurde.  Zum Dank bekamen die Wegbegleiter von dem Landtagsabgeordneten Marcus Malsch (CDU) regionale Produkte aus Steinbach und ein Luthermesser mit den 95 Thesen geschenkt.  Die Luther-Weiber versorgten die Wallfahrer vor der Abreise nach Eisenach mit Reiseproviant.  Vor dem Aufbruch nach Eisenach gab es für Luther und seine Weggefährten noch ein zünftiges "Stupps Bier".  Abschluss der Pilgerreise auf der Wartburg in Eisenach.