10.04.2020
Predigtimpulse zum Karfreitag

aus unterschiedlichen Sichtweisen von Pfarrerin Antje Gerlach aus Pferdsdorf und dem ordinierten Gemeindepädagogen Christian Ehrhardt aus Empfertshausen

Johannesevangelium 19.32-35

Predigtimpuls von Pfarrerin Antje Gerlach aus Pferdsdorf

Im Februar habe ich mit meinem Mann eine Reise nach Zypern unternommen. Auf dieser Reise haben wir viel von der Schönheit der Natur, des Meeres und den Spuren der Vergangenheit dieser Insel gesehen. Die vielen Kirchen und Klöster zeugten  von der Frömmigkeit der einst orthodox- christlichen Bevölkerung.

Wir wurden unter anderem auf einen hohen Berg, zu einer wundervollen Kreuzritterburg geführt. Der Reiseleiter gab sich alle Mühe uns von der Geschichte, der Beschaffenheit und Schönheit der Burganlage zu erzählen und er rühmte die herrliche Aussicht, die man von oben haben könne…

An diesem Tag war es kalt  3-6 °C. Es regnete und Nebel hüllte uns ein…Er konnte uns viel erzählen.
Viele Mitreisende hatten keine große Lust bis nach oben zu steigen… es gab nichts zu sehn.

….. ich glaube, so ähnlich geht es uns auch gerade… 

Wir sehen nichts, wir wissen nicht, wie es weitergehen wird. Lohnt es sich noch… zu glauben?

Heute ist Karfreitag… ich denke an die Jünger Jesu… als Jesus gestorben war… lohnte es sich noch an ihn zu glauben? Augenscheinlich … war er tot. Sie hatten alles hinter sich gelassen, waren ihm nachgefolgt … sie standen vor dem Nichts… genauso im Nebel… keine Aussicht mehr…

Als am Ostermorgen die Sonne aufging war der Nebel weg. Im Laufe der nächsten Tage veränderte sich noch einmal alles für sie. Jesus war auferstanden. Er hatte den Tod hinter sich gelassen und war wirklich da. … Aber alle ihre Zukunftspläne, …. ihre Träume mussten sie über Bord werfen.

Da war nichts mit: „Freunde des Messias, des neuen Königs, des Bezwingers der Römer“,  und auch nichts mehr mit „Ehre an der Seite des erfolgreichen Rabbis, den alle bestaunten“.  Nein, ihr Jesus war wie ein erbärmlicher Verbrecher am Kreuz hingerichtet worden… gescheitert?... Wieder nein! Jesus war nicht gescheitert. Er hatte seine Mission erfüllt. Er hatte seinem Volk die Liebe Gottes gezeigt… Diese Liebe, die ganz anders ist, als wir Menschen denken. Gott ist für uns, aber für alle! … Da liegt der Knackpunkt. Selbst am Kreuz unter schlimmsten Schmerzen ist er noch offen für seine Mitmenschen: Der Jünger, dem schier das Herz brechen wollte, der soll nun für seine Mutter sorgen. Eine ehrenhafte Aufgabe, die ihn stärken würde. Keiner kannte seine Mutter so gut wie Jesus. Sie konnte mit ihm ihre Trauer teilen. So konnten sie sich gegenseitig trösten.

Und dann waren da noch… Was stand da noch auf dem Altar der Liebe?  2 Altarkerzen? – nein die 2 Verbrecher, die mir ihm gekreuzigt wurden. Der eine verbittert und stolz, der andere schuldbewußt und reumütig. Den ersten beachtet Jesus garnicht… Er muss sich nicht rechtfertigen. Seine Aufgabe war es, diesen Tod zu sterben. … Aber dem zweiten, der ihn bittet: Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst, dem wendet er sich zu: „Amen, ich sage dir, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ …. So gibt er ihm Zuspruch und Hoffnung über den Tod hinaus.

Aber zurück zu den Jüngern und ihren Erwartungen. Was nach Ostern geschah, war für sie kein Zuckerschlecken, kein lustiges Ostereiersuchen… Der auferstandene Christus verlangte von seinen Nachfolgern absolutes Umdenken. …Nur, weil sie den Weg mit ihm dreieinhalb Jahre gegangen waren, konnten sie diese Zumutung verkraften. Alles wurde anders, ihr ganzes Weltbild veränderte sich. Ihre Sichtweise hatte sich gewandelt. Wenn Jesus lebt und wir mit ihm zusammen bleiben wollen, dann geht das nur über die irdischen Grenzen hinaus… über den Tod hinaus. Aus einfachen Menschen werden „Brüder und Schwestern Jesu – Gottes Kinder“. Auch wenn in ihrem Leben vieles nicht fadengrade lief… sie hatten keine Angst mehr… sie wußten sich verbunden mit dem, der den Tod besiegt hatte…

Liebe Gemeinde, etwas ähnliches steht auch uns bevor. Ich glaube, wir werden umdenken müssen. Umdenken in vielen Bereichen… und wir sind schon dabei… im Fernsehen wird tapferen und fleißigen Menschen gedankt… Wir haben uns entschieden, dass Gesundheit wichtiger ist als Freiheit und Profit…

Auf Zypern konnten wir 4 Tage später den Ausblick wenigstens vom Fuße der Festung aus genießen: Der war schon atemberaubend schön. … Ich bin gespannt, was Gott mit uns vorhat…. Ich glaube, wenn wir mit ihm in Verbindung bleiben, wird alles gut sein.           

 

Predigtimpuls von dem ordinierten Gemeindepädagogen Christian Ehrhardt aus Empfertshausen

„Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern einer der Soldaten stieß mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt.“

Mit dem Christentum ist es eine wirklich unglaubliche Geschichte: Rund 2000 Jahre nachdem Jesus von Nazareth gekreuzigt wurde sind auf der Erde weiterhin unzählige Menschen auf seiner Spur. Dabei erzählten die ersten Christen eine Geschichte, die im römischen Reich nichts attraktives an sich hatte: Der Glaube an einen Messias, der ewiges Leben versprach und schmachvoll (das war der Kreuzestod für die Römer) mit Verbrechern am Kreuz starb. Mit so einer Geschichte konnte man im römischen Reich keinen Blumentopf gewinnen.

Ich erlebe derzeit, dass oft weniger über tatsächliche Meinungsunterschiede gestritten wird, sondern jeder seine eigenen – oft gefakten – Wahrheiten hat. Das ist keine Grundlage, um über verschiedenen Meinungen zu streiten, wenn jeder in seiner Filterblase steckt.

Das bringt uns aber nicht weiter. Uns selbst nicht und uns alle nicht. Wie tödlich das ist sehen wir jetzt, wenn Fake-News über Corona verbreitet werden.

Viele der News, die uns über soziale Netzwerke erreichen schmeicheln unserem Weltbild: sie erleichtern, machen froh oder wecken Wut und Hass. Sie bestätigen, was wir geahnt haben und zeigen uns doch keine Wahrheit: Am Computer retuschierte Fotos von Demos, die Hass auf Jugendliche wecken, ausgetauschte Cover von Buchtiteln, die Hass auf Journalisten provozieren – das sind Fake-News. Wer sie konsumiert wird über das informiert, was er schon längst fühlt.

Doch wahr ist oft, was unserem Weltbild nicht schmeichelt: Als die ersten Christen die Geschichte von Jesus von Nazareth erzählten waren sie sich bewusst, dass sie damit eigentlich keine Aufmerksamkeit bekommen konnten. Aber die Geschichte ist wahr, denn niemand hätte diese Geschichte von Schmach und Schande weitererzählt, wenn sie nicht die Wahrheit gewesen wäre.

Einige Menschen im römischen Reich hörten genau hin, als die Geschichte von Jesus aus Nazareth erzählt wurde und merkten natürlich, dass diese Geschichte keine Heldengeschichte war. Für eine solche Eselei hätten sich die Jünger schämen müssen: Nicht umsonst gab es im römischen Reich Karikaturen, die einen ans Kreuz geschlagenen mit Eselskopf zeigten: So einer Dummheit glaubt man nicht.

Klar, es sagte den Menschen nichts über einen Helden, der einen Sieg errungen hatte, sondern erzählte von einem Helden, der gescheitert war und von seinen Feinden getötet wurde. Diese Geschichte schmeichelte keinem Weltbild.

Wer die Wahrheit über das Christentum erfahren will muss nicht unbedingt im leeren Grab suchen um herauszufinden, ob Jesus noch da lag oder nicht. Christen gibt es heute, weil die Jünger erzählten, was unpopulär war: Der gescheiterte Held stirbt wirklich – die Lanze beweist es. Deshalb ist die Geschichte der Christen wahr. Bis heute.