05.04.2020
Predigtimpulse vom 5. April 2020 (Palmsonntag)

aus unterschiedlichen Sichtweisen von Klinikseelsorgerin Diana Engel aus Bad Salzungen und Pfarrer Olaf Schnarr aus Urnshausen

(Markus 14, 3-9)

Predigtimpuls von Klinikseelsorgerin Diana Engel aus Bad Salzungen

Wenn ich als Klinikseelsorgerin zu einer Krankensalbung oder einem Sterbesegen gerufen werde, habe ich immer eine kleine Flasche mit Öl dabei. Das Salböl ist nach biblischem Rezept hergestellt und duftet nach Myrrhe, Zimt, Kalmus und Kassia.

Oft komme ich in eine angespannte Situation.  Angst,  Überforderung,  Erschöpfung stehen im Raum. Manchmal ist ein schlechter Geruch im Zimmer. Nicht alle anwesenden Verwandten sind mit christlichen Liedern und Gebeten vertraut. Aber das Öl verfehlt seine Wirkung auch bei ihnen nicht. Wenn ich dem  kranken oder sterbenden Menschen mit etwas Öl ein Kreuzzeichen auf Stirn, Brust oder Hand zeichne, verbreitet sich sein Duft. Dann ist noch etwas Anderes im Raum, ein Stück Himmel auf Erden, ein Hauch Ewigkeit. Es ist wie eine Erinnerung, dass es noch mehr gibt als Schmerz und Kampf. Eine Leichtigkeit auch im Schweren. Geborgenheit auch im Sturm.

So ähnlich muss es auch für Jesus gewesen sein. Sein Leiden und Sterben steht unmittelbar bevor. Und da hüllt ihn jene Frau in diesen Duft, der ihn begleitet und hindurch trägt.  Ein Duft, der sich unter  Schweiß, Blut und Tränen mischt. Mitten in dieser großen Tragödie wird diese Geschichte von überschwänglicher Liebe erzählt. Die Frau kann am Schicksal Jesu nichts ändern, aber sie hilft ihm auf seinem Weg.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wir haben alle diese Zeichen nötig, die uns hindurch tragen. Zeichen, die von der Hoffnung erzählen und vom Leben. Zeichen, die unseren Blick heben und die uns untereinander verbinden.  Ein handgeschriebener Brief, Blumen, eine Kerze, ein Dankeschön, ein Blick, ein Anruf, ein Gebet…

Gehen wir in dieser besonderen Karwoche verschwenderisch damit um!

 

Predigtimpuls von Pfarrer Olaf Schnarr aus Urnshausen

Jesus war in Betanien Gast bei Simon, der früher einmal aussätzig gewesen war. Während der Mahlzeit kam eine Frau herein. In ihren Händen hielt sie ein Fläschchen mit reinem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß und salbte mit dem Öl den Kopf Jesu. Darüber regten sich einige Gäste auf: "Das ist ja die reinste Verschwendung! Dieses Öl ist mindestens 300 Silberstücke (entspricht einem Jahresverdienst) wert. Das Geld hätte man lieber den Armen geben sollen!" So machten sie der Frau Vorwürfe. Aber Jesus sagte: "Lasst sie in Ruhe! Warum kränkt ihr sie? Sie hat etwas Gutes für mich getan. Arme, die eure Hilfe nötig haben, wird es immer geben. Ihnen könnt ihr jederzeit helfen. Ich dagegen bin nicht mehr lange bei euch. Diese Frau hat getan, was sie konnte. Mit diesem Salböl hat sie meinen Körper für mein Begräbnis vorbereitet. Und ich sage euch: Überall in der Welt, wo Gottes rettende Botschaft verkündet wird, da wird man auch von dieser Frau sprechen und von dem, was sie getan hat!"

Heute, eine Woche vor dem Osterfest geht an uns die Frage: Was ist mir mein Glaube wert?
Die Bibel berichtet immer wieder neu, wie Menschen diese Frage für sich beantworten und wie Gott diese Antworten beurteilt. Mose, Abraham, Noah, Jona, Saul, David, Jesaja, Nehemia bis hin zu den Jüngern Jesu, Paulus. Sie alle stellen sich dieser Frage: Was ist mir mein Glaube wert?

Herr Pfarrer, Sie wissen, wie die Situation ist und soviel Kirchensteuern kann oder konnte ich einfach nicht bezahlen - darum bin ich aus der Kirche ausgetreten. Solche oder andere Lebensgeschichten höre ich immer wieder. Und ich kann sie sogar gut verstehen.

Immerhin muss die Miete, müssen die Lebensmittel, die Kleidung, das Auto, das Hobby, die Kinder, der Urlaub finanziert werden. Dann bleibt nichts übrig. Das verstehe ich ganz gut. Und wer mir sagt, dass er ja seinen Glauben hat, aber wegen dieser finanziellen Belastung aus der Kirche austreten muss - den verstehe ich sehr gut! Und mir ist auch klar, dass hinter diesen Aussagen die Beantwortung der Frage steht!: - Was ist mir Gott wert?

Da wo jemandem die persönliche Glaubensbeziehung zu Jesus, zu Gott fehlt, da kann Gott nur bekommen, was man übrig hat. Gott steht eben nicht vorn an auf der Liste der Lebensprioritäten - der finanziellen Prioritäten. Und das ist dann ja auch logisch.

Trotzdem muss ich immer neu daran erinnern, dass Jesus sich das anders gedacht hat, ja, dass wir selbst uns dadurch von Gottes Segen hier auf der Erde und darüber hinaus abschneiden!

Was ist mir mein Glaube wert?

Diese Frage beantwortet die Frau in unserer Geschichte auf eindrucksvolle Art und Weise. Da ist eine Frau, die aus Liebe zu Jesus ihre Vernunft ablegt! Alle, die jemals richtig verliebt waren, werden das bestätigen. Was haben wir nicht alles gemacht, als wir frisch verliebt waren? ...

Das grenzte manchmal wirklich an “Schwachsinn!”  Oder?

„Verliebt sein ist ein Zustand vorübergehenden Schwachsinns!“ sagte einmal jemand.

Recht hat er!

Jesus möchte mit dieser Geschichte, dass in unsere nüchternen und sachlichen Köpfe eine Begeisterung und Leidenschaft für ihn einzieht.

Haben Sie schon einmal etwas von Eric Liddell gehört?

Eric Liddell war ein begabter Prediger und ein begnadeter Läufer. Er galt für England  als aussichtsreicher Kandidat bei den olympischen Spielen 1924.  Eric Liddell ging in die olympische Geschichte ein, aber anders als wir denken!  Er war der Favorit für den 100-Meter - Lauf. Aber weil dieser Lauf an einem Sonntag stattfand, verzichtete er. Die englische  Nation war entsetzt. Liddell predigte stattdessen an diesem Sonntag.  Schwachsinn? - nein,  Eric Liddell ehrte Jesus, indem er sich öffentlich zu ihm bekannt hatte.

Was ist mir mein Glaube wert? In allen Lebensbereichen: Im Bekenntnis zu Gott, im Suchen nach seinem Willen für mein Leben, in der Gestaltung meiner freien Zeit, im Umgang mit all den guten Dingen, dir mir Gott geschenkt hat! Eric Lidell war jemand, der in und mit seinem Leben Antwort gegeben hat.

Schauen Sie sich einmal den Film an! Es lohnt sich!

https://www.gerth.de/index.php?id=205&sku=924985

Gottes Willen Tun - ja, das ist oftmals Narrheit in den Augen der Familie, der Arbeitskollegen, der Freunde!  Ja, das Kreuz selbst ist Narrheit in der Welt. Lassen Sie sich auf diese Narrheit ein, wie die Frau in unserem Predigttext und wie Eric Nadell und leben Sie sie in Gottes Namen!