11.04.2020
Predigtimpuls zum Osterfest

von Pfarrerin Wibke Endter aus Steinbach / Meimers

 

 

Also Ostern.

Genau genommen …

Ein paar Tage danach.

Nach der Auferstehung von Jesus.

Unten am See von Tiberias.

da hat sich’s abgespielt.

 

Wer ist alles dabei?

Petrus ist dabei.

Der Petrus sowieso.

Und Freunde von ihm.

Aus dem Jüngerkreis.

 

Petrus sagt:

Ich geh jetzt runter.

Runter zum See.

Fische fangen.

Wer kommt mit?

Fragt er.

 

u Da sagen sie erst mal gar nichts.

Weil sie müde sind.

Und enttäuscht.

Und ein bißchen schlapp.

Kraftlos.

Kann man ja auch verstehen.

Nach der Geschichte.

Am Karfreitag.

 

Wer kommt mit?    Fragt Petrus.

Da steh sie halt auf.

Gehen mit.

Steigen ein ins Boot.

Fahren hinaus auf den See.

 

u Und was passiert?

In dieser Nacht fangen sie nichts.

Sagt die Bibel.

Keinen einzigen Fisch.

Leere Netze.

Leeres Herz.

Leere Augen.

 

Und jetzt kommt dieser schöne Satz.

Den finde ich so stark.

Im Johannesevangelium Kapitel 21:

Als es aber schon Morgen war,

stand Jesus am Ufer.

Aber die Jünger wußten nicht,

daß es Jesus war. (Joh. 21,1-4)

 

u Jesus steht am Ufer.

Er will dem Petrus begegnen.

Und warum gerade ihm?

Weil Petrus einen großen Mund hat.

Aber dafür ein enges Herz.

Ein ängstliches Herz.

Das muß sich ändern.

Heute noch.

 

Petrus braucht ein weites Herz.

Und wozu braucht er das?

Weil da viel mehr hinein paßt.

In einem weiten Herzen ist viel Platz.

Platz für Gottvertrauen.

Und für Lebensmut.

Und für Segen.

Platz für Hoffnung.

Und für Freude.

Und für das Auferstehungsleben.

 

u Das hört sich doch gut an.

Also, denkt sich Jesus:

Ich muß dem Petrus heute begegnen.

Und den Menschen in Steinbach / Meimers …

Denen will ich auch begegnen.

Die brauchen alle ein weites Herz.

Damit viel hineinpaßt von Gott.

 

Also schauen wir jetzt hin.

Wo der Kontakt stattfindet.

Wo Jesus uns am liebsten begegnet.

 

Als es aber schon Morgen war,

stand Jesus am Ufer.

 

Ausgerechnet dort.

Nach einem erfolglosen Fischzug.

Am Ufer vom See Tiberias.

An einem sehr frühen Morgen.

 

u Ob das Zufall ist?

Glaub ich nicht.

Jesus wählt genau diesen Ort.

Genau diesen Zeitpunkt.

Und keinen anderen.

Gott macht immer Maßarbeit.

Da gibt’s keinen Zufall.

 

Also noch mal:

Sie waren nachts auf dem See.

Petrus und seine Kollegen.

Und gefangen haben sie nichts.

Keinen einzigen Fisch.

 

Da hing aber ihr Leben dran.

Am Fisch.

Denn das hieß ja letztlich:

Nichts gefangen.

Nichts verkauft am Fischmarkt.

Kein Geld in der Tasche.

Kein Brot am Tisch.

Hungrige Mäuler daheim.

 

Und die Frau.

Die fragt.

Mit vorwurfsvoller Stimme.

Was ist nur los, Petrus?

Bringst ja wieder nichts heim.

Das alles hängt an diesem einen Satz:

Sie fingen nichts in jener Nacht.

 

u Man kann sagen:

Petrus wird an die Grenze geführt.

An die Grenze seiner Möglichkeiten.

 

Das kennen wir auch.

Aus unserem Leben.

Beruflich.

Familiär.

Gesundheitlich.

Finanziell.

 

Das Leben führt uns an Grenzen.

Wo wir dann sagen:

Ich weiß nicht weiter.

So kann es nicht weitergehen.

Was soll ich nur machen?

 

u Eigene Grenzen erfahren.

Das tut ziemlich weh.

Und es macht keinen Spaß.

Ist aber eine wichtige Zeit im Leben.

Und niemand kommt da herum.

 

Und warum ist das so?

Damit unser Ich stirbt.

Unser dickes, aufgeblasenes Ich.

Der eigene Stolz.

Wichtigtuerei.

Überheblichkeit, was man alles kann.

Wo man sich als was Besseres fühlt.

Als was Besonderes darstellt.

 

Das alles muß untergehen.

Wie im See von Tiberias.

Erst dann ist man bereit zur Begegnung.

Zum Kontakt mit Jesus Christus.

 

Darum sucht er sich diese Stunde aus.

Genau diese Stunde.

Wo der Petrus nicht mehr kann.

Nichts mehr aus eigener Kraft.

Petrus ist am Ende.

Da fängt Jesus mit ihm an.

 

Und unsre Kirche?

Vielleicht muß die auch dahin kommen.

Ganz nach unten.

Wo Synoden nicht mehr weiter wissen.

Wo sie dastehen mit leeren Netzen.

Da fängt Jesus neu mit uns an.

Aber erst dann.

Zuvor muß aller Stolz gebrochen sein.

 

u Das war die erste Grenze.

Wo Jesus auf uns wartet.

Jetzt schauen wir die nächste an.

Christus steht am Ufer vom See.

 

Das Ufer.

Auch so ein Grenzbereich.

Zwischen Wasser und festem Land.

Wo das eine aufhört …

Da fängt das andere an.

 

Festes Land gibt Sicherheit.

Grund unter den Füßen.

Am Land hab ich Halt.

Hier ist das Beständige.

Die Tradition.

Wie es schon immer war.

 

u Und das Wasser?

Das riecht nach Freiheit.

Nach Wagnis.

Sehnsucht nach neuen Ufern.

 

Im Wasser gibt’s keine festen Wege.

Es ist wandelbar.

Still ruht der See.

Und wütend toben die Wellen.

Der See ist tief.

Unberechenbar.

 

Wie schon gesagt.

Petrus hatte ein ängstliches Herz.

Abends am Feuer.

Am Gründonnerstag.

 

u Als sie ihn fragten:

Du bist doch auch einer von denen.

Freilich bist du einer von denen.

Von diesen Jesusleuten.

Da hat er nein gesagt:

Nein, ich doch nicht.

Den kenne ich überhaupt nicht.

 

Petrus geht auf Nummer sicher.

Hält sich gern ans Bewährte.

Und seine Kirche.

Die hat das auch so an sich.

Den Hang zum Gewohnten.

 

Gewohnte Liturgien.

Die alten Lieder.

Der alte Luther.

Ja, da ist man sicher.

Da kann nichts schief gehen.

Oder doch?

 

u Jesus steht am Ufer.

Wo sie sich berühren.

Wasser und festes Land.

Sicherheit im Gewohnten.

Und Wagnis zu neuen Ufern.

Genau an dieser Stelle wartet Jesus.

Hier will er Petrus finden.

Will ihm Mut machen.

 

Will uns Mut machen.

Auch seiner geliebten Kirche.

Den Mut, Altes zu verlassen.

Alte Ufer zurück lassen.

Freiheit atmen.

Lebendig sein.

Im heiligen Geist leben.

 

Am Ufer wartet Jesus.

Auf Petrus wartet er.

Und auf jeden einzelnen von uns.

Auf seine Kirche.

Damit wir Neues wagen.

Nicht auf eigene Faust.

Aber mit ihm zusammen.

In seiner Obhut.

Unter seiner Führung.

 

u Und jetzt noch der dritte Grenzbereich.

Als es aber schon Morgen war,

stand Jesus am Ufer.

 

Es passiert am frühen Morgen.

Im Morgengrauen.

Im Grenzbereich.

Zwischen Nacht und Tag.

Die Nacht ist so gut wie vorüber.

Der Tag bricht an.

 

u Da stehen wir auch oft.

Was das geistliche Leben angeht.

Die Nacht.

Einerseits.

Mit ihrer Finsternis.

Die dunklen Kräfte.

Die an uns herum zerren.

Damit wir den Glauben verlieren.

Damit wir aufhören zu beten.

Nicht mehr zum Gottesdienst kommen.

 

Und das Licht andererseits.

Christus, das Licht.

Der uns ruft.

Einlädt.

Der uns freigekauft hat.

Der Finsternis abgekauft hat.

Durch sein Blut.

Am Kreuz.

 

u Am frühen Morgen.

Da steht Jesus am Ufer.

Im Grenzbereich.

Zwischen Nacht und Tag.

Er wartet auf Petrus:

 

Komm, Petrus.

Verlaß das Morgengrauen.

Deine Angst.

Dein enges Herz.

Dein Mißtrauen.

Und alles, was dich plagt.

Vertraue mir.

 

Ich warte auf dich.

Gib mir deine Hand.

Gib mir dein Herz.

Ich bin dein Licht.

Ich bin der Sieger.

Für alle Ewigkeit.

Der Tod ist besiegt.

Halleluja - und Amen

 

Und Ich finde:

Das ist eine großartige Geschichte.

Aufgeschrieben.

Extra für uns.

Und wozu?

Damit wir froh werden.

 

Amen