25.04.2020
Predigtimpuls zu Miserikordias Domini

von Pfarrerin Silke Wöhner aus Dermbach

Große Fußstapfen eines leuchtenden Vorbildes. Große Fußstapfen, in die ich trete.
- Die mein Vater, von dem ich den Betrieb übernommen habe, hinterlassen hat.
- Die der, der vor mir Vereinsvorsitzender war, hinterlassen hat.
- Die meine Kollegin hinterlassen hat, die vor mir an dieser Stelle war.

Große Fußstapfen – große Erwartungen, die ich erfüllen soll oder will, die mich herausfordern, ängstigen und manchmal auch anspornen. Große Fußstapfen kosten oft Mühe.

Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen, lesen wir im 1. Petrusbrief.

Fußstapfen Jesu Christi – da müssen wir uns nicht abmühen. Denn die kann niemand von uns ausfüllen, hat er auch noch so große Füße. Aber wir müssen es auch nicht. Diese Spuren sind anders. Es sind Spuren auf dem Weg, die mir Orientierung geben. Ich soll ihnen nachfolgen.

Petrus schreibt uns auch warum: Er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.

Petrus fasst zusammen, was an Ostern geschah und ruft es in Erinnerung. Jesus hat etwas für dich getan: Durch seine Wunden bist du heil geworden. Ich bin heil geworden. Wie ist das zu verstehen? Dafür findet Petrus das Bild vom Schaf: Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Heil sein also ein Zustand des Ganz seins, des Gerettet seins. Wie ein Schaf, das nach langem Irrweg endlich wieder beim Hirten angekommen ist. Ein beruhigendes Bild: der Hirte und seine Herde, die friedlich auf der Weide grast. Vielleicht auch noch ein Hund dabei. Sie haben alles, was sie brauchen, sind sicher und geborgen.

Da wäre ich auch gern. Aber wie komme ich da hin? Um ehrlich zu sein, habe ich gerade in letzter Zeit das Gefühl ein Schaf auf Abwegen zu sein und keiner sagt wo es lang geht. Eine Nachricht und Vorschrift jagt die andere, manchmal wiedersprechen sie sich auch. Wie soll ich mich denn nun verhalten? Kann das nicht schnell vorbei sein mit diesem Virus?! Ich bin kein besonders geduldiges Schaf.

Und auch sonst stehe ich vor so vielen Wegen und Entscheidungen, welchen soll ich wählen und kann ich wieder zurück? Dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen, hieß es am Anfang. Da haben wir die Markierung, der wir folgen können. Manchmal sehe ich sie deutlich, manchmal ehr schwach. Aber die Stapfen sind da.

Unser Hirte Jesus Christus – ein Bild, dass mir Kraft gibt und Mut macht. Ich gehöre zu ihm und er achtet auch mich, auch wenn ich oft ein Schaf auf Abwegen bin.