08.05.2020
Predigtimpuls für den Sonntag Kantate

von Superintendent Dr. Ulrich Lieberknecht

So brachten die Priester die Lade des Bundes des Herrn an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, … Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der Herr mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen. … Und alle Leviten, die Sänger waren, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

Aus dem 2.Buch der Chronik, Kapitel 5

Ganz großes Kino: Wir sind irgendwann um 900 vor Christus in Jerusalem. König Salomo weiht den ersten Tempel ein. Man könnte sagen, vor unseren Augen und Ohren findet der erste Gottesdient in einem ortsfesten Gotteshaus statt. Das Ganze wird als ein großes Gesamtkunstwerk inszeniert. Zu Ehren des einen Gottes, den Israel verehrt: des Gottes, der Himmel und Erde geschaffen hat.

Seit Menschen von diesem Gott angerührt werden, wird gesungen. Unzähligen wurde die Zunge gelöst und das Herz weit zum Lobgesang. Miriam, der Mose-Schwester, beim Durchzug durchs Schilfmeer. Maria, der Mutter Jesu, in der Zeit ihrer Schwangerschaft. Paulus und Silas, als sie zu nächtlicher Stunde gefangen lagen, die Füße im Block. Und Jahrhunderte später den schwarzen Bürgerrechtlern, als das „We shall overcome“ zum ersten Mal erklang.

Seitdem es Kirche gibt, wird gesungen. Mit den Liedern des Glaubens ist die Straße der Kirchengeschichte gepflastert.

Der wunderbare reiche Schatz unserer Kirchenmusik und Kirchenlieder ist für mich nicht wegzudenken. Schon oft waren gerade unsere Lieder Garanten des Glaubens in schweren Zeiten.Und selbst wenn mir nicht nach Singen zumute ist, wenn Angst und Leid mir die Kehle zuschnüren, ist es gut zu wissen und zu hören, wie andere für mich weitersingen. Bis ich wieder einstimmen kann.

Gottesdienst ohne Lieder? Kann ich mir nicht vorstellen. Wie soll das gehen?

Als Jesus in Jeruslem einzog, zur Zeit des zweiten Tempels, wollten die strengen Gesetzeshüter den ungezügelten begeisteten Gesang seiner Begleiter zum Schweigen bringen. Jesus antwortet ihnen: Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.

Unser oft müder Gemeindegesang hat manchmal diese große Dimension verloren. Unser Atem ist immer wieder zu kurz, und unser Resonanzraum zu eng. Aber Gottes Geist beflügelt immer wieder unser Herz mit neuen Melodien und alten Gewissheiten. Wir vor fast 3.000 Jahren: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«. Eine Jukebox der Hoffnung lässt davon ganz aktuell etwas ahnen. Hören Sie mal rein auf unserer Website!

Heute wie zu allen Zeiten werden Lieder laut, die Gottes Gegenwart aufklingen lassen. Des Gottes, von dem es heißt: Der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Dr. Ulrich Lieberknecht