25.04.2020
Predigtgedanken zu Miserikordias Domini

von Pfarrer Norbert Endter aus Schweina

(1. Petrus 2, 24.25)

Unsere Sünden hat er, Jesus, ans Kreuz hinaufgetragen, mit seinem eigenen Leib. Durch seine Wunden seid ihr geheilt! Ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben. Jetzt aber seid ihr auf den rechten Weg  zurückgekehrt und folgt dem Hirten, der euch leitet und schützt.

Am besten gefällt mir dieser eine Satz: Durch seine Wunden, durch Jesu Wunden, seid ihr geheilt! Geheilt. Man könnte auch sagen: Gerettet. Wiederhergestellt. In Ordnung gebracht. Und wie wird man das? Geheilt? Indem meine Wunden in Kontakt kommen mit den Wunden von Jesus. Das klingt kompliziert. Macht aber nichts. Erkläre ich gleich. Wir fangen an mit unseren Wunden. Ich sag mal, wie die entstehen. Jeder Mensch möchte gut sein. Geduldig. Nachsichtig. Freundlich. Treu. Weitherzig. Jeder möchte in Frieden auskommen mit Nachbarn und Freunden und in der Familie. Man nennt das auch Nächstenliebe.

Jeder Mensch möchte gut sein. Das kann man so sagen. Und darum bemühen wir uns. Strengen uns an. Reißen uns zusammen. Versuchen unser Bestes. Versuchen es immer wieder. Und das Ende vom Lied? Kaum einer schafft das. Wie soll ich Frieden halten mit meiner Familie? Mit meinen Nachbarn? Wenn die nicht wollen. Oder weil mir die Liebe fehlt. Und wie oft fehlt mir die Liebe. Und dann scheuert sich die Seele wund. Tut weh. Ich habe keine Kraft mehr. Bis ich dann sage: Ich kann nicht mehr. Ich krieg es einfach nicht hin, daß ich geduldig, freundlich, nachsichtig bin. Ich krieg es nicht hin, meine Nächsten zu lieben. Jedenfalls nicht in dem Maße, wie es sein sollte. Ein bißchen schon. Aber nicht in vollem Maße.

Wenn ein Mensch sich so etwas eingesteht. Vielleicht unter Tränen. Dann ist das eine Sternstunde im Leben. Gott im Himmel freut sich über solche Einsicht. Ein guter Mensch will ich sein. Aber es wird einfach nichts. Und ich habe auch keine Lust mehr, mich noch weiter anzustrengen. Das ist die bedingungslose Kapitulation der Seele. Es ist wesentlich, daß ein Mensch dahin kommt. Daß er sich seine Wunden eingesteht. Sein Unvermögen. Denn an genau dieser Stelle beginnt die Therapie. Die Heilung. Rettung.

Jetzt kommt mein Lieblingssatz zum Zuge. Durch seine Wunden, durch Jesu Wunden, seid ihr geheilt! Muß ich ein wenig erklären. Auch Jesus war verwundet. Karfreitag. Am Kreuz gestorben. Drei Tage im Grab gelegen. Auferweckt am Ostermorgen. Die meisten Leute kennen die Geschichte. Nun liegt alles daran, daß meine Wunden und seine Wunden in Kontakt kommen. Und wie geht das? Indem ich sage: Herr Jesus Christus. Du weißt, wie schwach meine Liebe oft ist. Meine Geduld. Meine Versöhnungskraft. Komm in mein Leben. Lebe in mir. Sei du meine Liebe. Meine Geduld. Meine Freude. Sei mein König. Mein Hirte. Mein Licht. Jesus, du sollst meine neue Identität werden. Mein neues Leben.

Am besten, ich sag das mit einem Bild. Mit einem Vergleich. Da sieht man besser, was gemeint ist. Ich hab mal zugeschaut, wie jemand kleine Apfelbäumchen veredelt hat. Er sagte: Wer gute Früchte ernten will, muß den wilden Baum veredeln. Das wilde, dünne Bäumchen. Und ein Edelreis. Beide werden schräg angeschnitten.  Mit scharfer Klinge.

Es entstehen also zwei offene Wunden. Die werden aneinander gelegt. Mit Veredlungsband gebunden. Und über alles Baumwachs gestrichen. Dann wächst beides zusammen. Heilt zusammen. Wird eins. Die Wunden werden zur Kontaktstelle. Zu neuem Leben. Der kleine wilde Baum behält seine Wurzeln. Und ein Stück vom Stamm. Er behält seine erste Identität. Aber er bekommt eine neue Krone. Das ist neu. Eine zweite Identität. Und an den Zweigen. In der neuen Krone. Was geschieht da? Es reifen gute Früchte. Anders gesagt: Dann krieg ich durch Jesus genau das, was mir heute noch so fehlt. Nächstenliebe. Geduld. Dann lerne ich vertrauen. Nicht aus mir selbst heraus. Sondern weil Christus in mir wohnt. Er ist mein Vertrauen. Nicht mehr ich lebe. Sondern Christus lebt in mir. Das ist ein riesiger Unterschied, ob ich selber angestrengt lebe oder ob Christus in mir lebt. Das ist so, als würde ich umsteigen. Runter von der Galeere, vom Sklavenschiff. Und hinüber wechseln auf ein Segelschiff. Wo der Wind ins Segel fährt und das Schiff antreibt.

Das Edelreis ist Jesus Christus. Der wilde Baum bin ich. Seine Kreuzwunden und meine Seelenwunden.  Wir kommen zusammen. Er bindet sich an mich. Ich binde mich an ihn. Das geschieht durch bewußte  erwachsene Entscheidung. Sakrament der Umkehr. Jesus, mit dir will ich leben. Ich gebe mich dir hin. Ich öffne dir die Tür. Mein Herz fliegt dir zu. Dir gehöre ich. Befreit und erlöst von Sünde. Heute und für immer und ewig. Danke und Amen.

Hier gibt es bei YouTube (https://www.youtube.com/watch?v=JnXv2gAfPpE) ein passendes erfrischendes Lied zum Mitsingen:
„In Christ alone“