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20.08.2020
Von wahren und falschen Propheten – Amos und seine harte Wahrheit

Am vergangenen Sonntag stellte der Gastprediger und ordinierte Gemeindepädagoge, Christan Guth aus Empfertshausen, beim Abendgottesdienst in Tiefenort die Frage in den Raum „Wer sind die wahren Propheten damals wie heute?“

Vorausgegangen sind: Gebet mit Psalm 121 und Lesung aus der Ordnung des Johannestages aus Jesaja 40.1.ff.

Ein Prophetenschicksal ist nicht immer leicht und für den Propheten selber meist nicht angenehm. Er ist ja aufgerufen, die Wahrheit dessen, was ihm Gott mitteilt, zu bezeugen. Die Menschen aber, welche die Botschaft hören, reagieren ganz verschieden. Die einen glauben dem Propheten, die anderen lehnen ihn und seine Botschaft ab. Das gilt auch für den alttestamentlichen Propheten Amos und das gilt für Jesus Christus selbst, wie uns das heutige Evangelium aufzeigt.

„Jener muss wachsen, ich aber kann zurücktreten.“ Joh 3.30 Übers. Perspek. d. Kunst – „Genau dieser Spruch steht auf dem berühmten Isenheimer Altar. Ganz deutlich zeigt der Finger des Propheten Johannes dem Täufer auf Jesus. So, als wenn er sagen will: Schaut her. Das tut Gott für euch – er gibt das liebste, was er hat“, erläutert Christian Guth. „Dieser Fingerzeig erscheint mir so typisch prophetisch: Propheten zeigen uns deutlich, was Gott von uns fordert und was er schenkt“, ergänzt er.

Der Gastprediger spannte den Bogen von Johannes dem Täufer, der mit dem Finger auf die wirkliche Wahrheit Gottes zeigt (Jesus Christus), zu Greta Thunberg. „Auch Sie zeigt, was Naturwissenschaftler schwarz auf weiß bewiesen haben. Und wird doch so oft verachtet. Wie sehr Wahrheit verachtet wird – darüber spreche ich gerade deshalb, weil ein großes Problem unserer Zeit ist, dass Menschen sich ihre Wahrheit zusammensuchen, sich in sozialen Medien in Filterblasen begeben und kaum andere Meinungen kennen oder diese bloß verspotten. Für die aufgeklärte Wahrheit ist das der Tod“, erläutert Guth.

So scheinen auch einige Verse aus dem Buch Amos ein Ruf genau in unsere Zeit und unsere Welt zu sein: „So beispielsweise musste ich an die unbelehrbaren Leugner des Klimawandels denken, wenn es in Amos 3 heißt:“ „Und es zogen zwei, drei Städte zu einer Stadt, um Wasser zu trinken, und konnten nicht genug finden; dennoch seid ihr nicht umgekehrt zu mir, spricht der HERR. Ich plagte euch mit dürrer Zeit und mit Getreidebrand; […]; dennoch seid ihr nicht umgekehrt zu mir, spricht der HERR.“

Wir sollten uns von Amos in Erinnerung rufen lassen, dass ein Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge besteht. Es ist nicht alles gleich wahr, es ist nicht alles beliebig. Religion bedeutet immer auch Ringen um die Wahrheit.

„In der großen Frage von Heil und Unheil – ob uns Heil oder ob uns Unheil droht, bin ich als Christ vollkommen überzeugt, dass uns Heil widerfahren wird in Gottes Reich. Und ich bin ebenso überzeugt davon, dass diese Verheißung auch unseren Kindern und Kindeskindern gilt. Aber ich komme nicht um folgende, letzte Frage umhin: Wie verloren im Unheil werden unsere Kinder und Kindeskinder auf dieser Erde sein, wenn wir sie weiter so zerstören? Amen.“, so der ordinierte Gemeindepädagoge.

Als mahnendes Sinnbild gab Christian Guth den 71 Besuchern eine Zeichnung mit auf den Weg. Diese zeigt auf der einen Seite das Gemälde des Isenheimer Altars, mit der Darstellung der Kreuzigung Jesu-Christi des Künstlers Matthias Grünewald. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Gemälde unter dem Titel „Prophetie im 21. Jahrhundert (2020)“ zu sehen, was eigens von der Holzbildhauerin Carolin Borchard aus Empfertshausen für diesen Abendgottesdienst gezeichnet worden ist. Es zeigt Kinder die an eine brennende Welt gekettet sind und unter der Klimalast erdrückt werden. Davor steht Greta Thunberg die mit einem Schild in der Hand welches den Titel „You are stealing their future in front of their very eyes“ trägt, auf die brennende Welt zeigt.

Musikalisch trugen die junge Band Annjual Acoustics aus Unteralba mit eigens komponierten Songs sowie Hartmut Meinhardt an der Orgel zu einem facettenreichen Musikprogramm bei, die vielen eine Gänsehaut bescherte.

Anschließend fand sich ein Teil der Besucher unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen bei einem Imbiss und guten Gesprächen im idyllischen Pfarrgarten ein, den die Kirchgemeinde Tiefenort organisiert hatte.


Mehr Fotos

 St. Peterskirche in Tiefenort. © Julia Otto  Gastprediger Christian Guth aus Empfertshausen. © Julia Otto  Die Band Annjual Acoustics aus Unteralba. © Julia Otto  Anschließend fanden sich die Besucher im idyllischen Pfarrgarten ein. © Julia Otto  Der ordinierte Gemeindepädagoge bei seiner Predigt in der St. Peterskirche in Tiefenort. © Chris Greulich  St. Peterskirche in Tiefenort von innen. © Julia Otto  St. Peterskirche in Tiefenort von innen. © Julia Otto