11.12.2023
Trost für verwaiste Eltern und Familien

Am „Worldwide Candle Lighting Day“ (WWCLD) versammelten sich rund 50 Menschen in der ev. Kirche in Dorndorf, um gemeinsam zu trauern, zu erinnern und ihren Schmerz zu teilen. Unter dem Motto "Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind" bot der Gottesdienst Raum für Trost und Gemeinschaft.

Der „Worldwide Candle Lighting Day“ ist eine globale Initiative, bei der Menschen weltweit Kerzen anzünden, die über 24 Stunden durch die unterschiedlichen Zeitzonen hinweg leuchten. Dieses Lichtsymbol soll daran erinnern, dass jedes verstorbene Kind eine dauerhafte Spur des Lichts hinterlässt.

Organisiert wurde der bewegende Gedenkgottesdienst vom Hospizzentrum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene der Regionen Bad Salzungen/Rhön und der Ev. Kirchgemeinde Dorndorf. Die Kirche wurde von Martina Sachs, vom Bestattungshaus Sachs in Kieselbach, liebevoll illuminiert und dekoriert. Trauernde nutzten diesen Ort, um vor und nach dem Gedenkgottesdienst innezuhalten und Kerzen für ihr verstorbenes Kind zu anzuzünden.

Gerade während der Advents- und Weihnachtszeit überwältigt viele verwaiste Eltern und Familien der Schmerz des Verlustes. Johanna Weymar, Koordinatorin des Kinderhospizes in Bad Salzungen, verdeutlichte anhand der japanischen Kintsugi-Methode, wie man Trauer zum Teil bewältigen kann. Kintsugi ist eine japanische Kunstform, bei der zerbrochene Keramikstücke mit Urushi-Lack und pulverisiertem Gold repariert werden, um ein einzigartiges Kunstwerk zu schaffen. „Und so symbolisiert die Kintsugi-Methode, wie wir unsere Wunden in das integrieren müssen, was wir sind, anstatt zu versuchen, sie nur zu reparieren und zu vergessen“, erklärt Johanna Weymar und ergänzt: „Die Kunst und die Aufgabe ist es, mit dem Verlust zu leben und das Zerbrochene als Goldschimmer ins Leben zu integrieren.“

Klinikseelsorgerin Diana Engel und Pfarrerin Franziska Freiberg lasen im Gottesdienst die Namen der verstorbenen Kinder aus der Region vor, um zu betonen, dass keines von ihnen vergessen ist. In ihrer Predigt illustrierte Pastorin Diana Engel ausgehend von Todesfällen in ihrem eigenen Umfeld, wie häufig Eltern mit dem schmerzhaften Verlust ihrer Kinder konfrontiert sind, sei es im Kindesalter oder als Erwachsene. „Menschen können trotzdem heil werden. Der Advent bringt Licht in eine heillose Welt. Den Verstorbenen leuchtet Gottes Heil und wir Lebenden können mit all unseren Brüchen heil werden“, so Diana Engel.

Livemusik von Bettina Thüring an der Harfe, Claudia Miksch an der Klarinette und Wolfgang Niebling an der Orgel verlieh dem Gedenkgottesdienst eine einfühlsame Atmosphäre. Im Anschluss an den Trost- und Trauergottesdienst verweilten die Besucher noch beim Kirchenkaffee im Gemeindehaus. In diesem Rahmen überreichte Fotografin Carolin Semmelroth einen Spendencheck über 300 Euro an Johanna Weymar für das Kinderhospiz in Bad Salzungen. Carolin Semmelroth kennt die schmerzhafte Erfahrung, ein Kind zu verlieren. Ihre erste Tochter verstarb kurz nach der Geburt. Die zweite Schwangerschaft endete in der elften Woche. Erst später erfüllte sich ihr Familienglück mit einem Pflege- und einem Adoptivsohn. Als Reaktion auf diese schweren Schicksalsschläge gründete die Buttlarerin eine Selbsthilfegruppe für Eltern, die ähnliche Erfahrungen durchlebt haben.


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Die Kirche wurde von Martina Sachs, vom Bestattungshaus Sachs in Kieselbach, liebevoll illuminiert und dekoriert.  © Julia Otto Trauernde nutzten diesen Ort, um vor und nach dem Gedenkgottesdienst innezuhalten und Kerzen für ihr verstorbenes Kind zu entzünden.  © Julia Otto  Klinikseelsorgerin Diana Engel und Pfarrerin Franziska Freiberg lasen im Gottesdienst die Namen der verstorbenen Kinder aus der Region vor. © Julia Otto Livemusik von Bettina Thüring an der Harfe, Claudia Miksch an der Klarinette und Wolfgang Niebling an der Orgel verlieh dem Gedenkgottesdienst eine einfühlsame Atmosphäre.  © Julia Otto Im Rahmen des Gottesdienstes wurden acht zusätzliche Kerzen angezündet, die für alle Kinder standen, die während der Geburt, durch Krankheit, Unfall, Drogen oder andere Umstände aus dem Leben gerissen wurden.  © Julia Otto Pfarrerin Franziska Freiberg bei der Lesung des Psalms 25  © Julia Otto Fotografin Carolin Semmelroth (dritte von rechts) überreichte einen Spendencheck über 300 Euro an Johanna Weymar für das Kinderhospiz in Bad Salzungen.  © Julia Otto