12.09.2019
Kileica – unbekanntes Wort für tolles Engagement

Am Wochenende 6.9. – 8.9. kam Leben ins Pfarrhaus Völkershausen.

Zwölf Kinder und Jugendliche im Alter von 12 – 15 Jahren brachten Schwung in die dortigen Räumlichkeiten. Sie haben die Grundausbildung zur Kinderleitercard (Kileica) absolviert.

 

In diesem Jahr trafen sich die Kileica-Teilnehmer erstmalig in Völkershausen. Zuvor fand diese Ausbildung im Pfarrhaus Rosa statt. Anfang des Jahres war klar, dass wegen baulicher Maßnahmen das Haus in Rosa nicht zur Verfügung steht. Auf der Suche nach geeigneten Räumen wurde der Gemeindekirchenrat in Völkershausen angefragt. Von dort kam sofort die Zusage. Auch vor und während der Veranstaltung hatten die Durchführenden der Kileicaausbildung immer aktive Hilfe und Unterstützung der Kirchengemeinde. Das hat vieles erleichtert und zum guten Gelingen des Ganzen beigetragen.

 

„Kileica“ ist die Abkürzung für Kinderleitercard. Dahinter verbirgt sich eine Ausbildung für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab 12 Jahre. Die Teilnehmenden lassen sich schulen, um in ihren Kirchengemeinden Verantwortung zu übernehmen und Kindergruppen zu leiten. Schon zum sechsten Mal in Folge bietet der Kirchenkreis Bad Salzungen – Dermbach diese Weiterbildungsmöglichkeit an. Die Ausbildung wird ausdrücklich vom Kirchenkreis gefördert. Kinder- und Jugendarbeit hat oberste Priorität, auch bei Kirche.

 

Die Kileica beinhaltet die Ausbildungseinheiten Erzählen, Spiel, Arbeit mit Gruppen, Kindergottesdienst/ Andacht, kleine Bibelkunde, kreatives Gestalten, Streit schlichten, Rechtsfragen, Kindeswohl und Erste Hilfe für Kinder. Erstmalig wurde das Programm so „gestrickt“, dass alle Themen auf 3 Tage an einem Wochenende bearbeitet wurden. Zuvor waren es zwei Tage an zwei Wochenenden. „Das war ein straffer Zeitplan, dem sich die Kinder und Jugendlichen aber stellten. Ich bin jetzt noch berührt und bewegt, mit welchem Eifer und Ideenreichtum immer wieder alle dabei waren“, so Doris Gerhardt, Referentin des Kirchenkreises Bad Salzungen- Dermbach für Kinder, Jugend und Familien.

Am Freitag 6.9. standen alle Teilnehmenden aus den Orten Kaltennordheim, Empfertshausen, Sünna, Bad Salzungen und Schweina mit Rucksack, Schlafsack und Isomatte im Pfarrhaus Völkershausen. 17.00 Uhr gings los. Nachdem zu Beginn der Veranstaltung alle organisatorischen Fragen abgearbeitet waren, gab es eine erste Bildungseinheit „Spiel“, welche von Gemeindepädagogin Frau Susann Heiderich aus Oechsen angeleitet wurde. Da die Meisten sich noch nicht kannten, standen Kennlernspiele als erstes auf dem Plan. Nächste Themen „Streit schlichten“, präsentiert von Gemeindepädagogin Doris Gerhardt, und „Arbeit mit Gruppen“ mit Frau Pfarrerin Franziska Freiberg aus Dorndorf folgten und vermittelten Wissen unter anderem über gruppendynamische Prozesse, die in unterschiedlichen Phasen verlaufen und wie man als Streitschlichter unschönen Situationen in Kindergruppen begegnen kann. Es gab gutes Abendessen und zum Abschluss des Tages eine kurze Besinnung, bevor dann alle ihr Nachtlager in Beschlag nahmen.

Am nächsten Morgen begann der Tag mit einer Andacht in der Kirche in Völkershausen, die Pfarrer Jourdan aus Vacha vorbereitet hatte. Darin vermittelte er bereits Inhalte, welche in einigen Ausbildungseinheiten immer wieder zur Sprache kamen: Das Leben und Wirken des Franz von Assisi. Nach einem ausgiebigen Frühstück erfuhren die Teilnehmenden etwas über Kindeswohl – Kindeswohlgefährdung. An Beispielszenen wurde sich darüber ausgetauscht. Im Anschluss daran kam Frau Annika Hammerschmidt aus Geisa. Sie arbeitet als Kinderkrankenschwester in Hünfeld, fährt gelegentlich als Rettungsassistentin beim Rettungsdienst mit und arbeitet als ehrenamtliche Ausbildungsverantwortliche beim DRK- Kreisverband Bad Salzungen. Den ganzen Vormittag übte sie mit den Kindern und Jugendlichen das Anlegen unterschiedlicher Verbände an Kopf und Beinen, zeigte und übte mit ihnen, wie einem verletzten Menschen in stabiler Seitenlage mit kurzen Handgriffen eine Decke untergelegt werden kann. Weiter standen Selbstschutz und das richtige Absetzen eines Notrufes im Plan.

Das Mittagessen in Form von Pizza lies alle Herzen höher schlagen, bevor es nach der Pause mit Rechtsfragen weiterging. Ab 13.30 Uhr stand ein Kurztrip nach Stadtlengsfeld an. In die dortige Kirche waren das Ehepaar Gabi und Amadeus Eidner aus Chemnitz mit ihrem Singspiel „Der Franz – der kann`s“ eingeladen. Damit wurde eine Form des Erzählens den Kindern und Jugendlichen nahegebracht. Wieder zurück in Völkerhausen gab es weitere wissenswerte Impulse zum spannenden Erzählen von Geschichten. Das Ausprobieren der pantomimischen Erzählmethode wurde in zwei Gruppen auch noch spielerisch umgesetzt, da gegenseitig zu erraten war, was sie sich für eine Geschichte ausgedacht hatten. Immer wieder gab es die Lernerfahrung, dass alle Ausbildungsinhalte nicht getrennt voneinander gesehen werden dürfen, sondern sie sich miteinander verbinden lassen, ineinander übergreifen.

Danach gab es Einblicke in die Arbeit mit Bibeltexten. Fragen: wie erschließe ich mir eine Geschichte, wie kann ich diese Texte für Kinder verständlich machen, galt es in den Blick zu nehmen. Damit waren die Kileicateilnehmenden gut für die Themeneinheiten Kindergottesdienst und Andacht gerüstet. Mit einer Kreativeinheit ging es entspannt in den Abend. Zur großen Überraschung der Ausbildungsleitung waren am Ende eines langen Tages alle Kinder und Jugendlichen noch hochmotiviert, selber, wieder in zwei Gruppen, eine Morgen- und eine Abendandacht zu entwickeln. Diese Abendandacht bildete den Abschluss des Tages.

Der Sonntag begann mit dem Packen der Sachen. Der letzte Tag war angebrochen. Alle im Pfarrhaus Anwesenden feierten die am vorherigen Abend vorbereiteten Morgenandacht. Dann gab es ein letztes Frühstück in Völkershausen.

Im Anschluss daran wurden alle noch einmal richtig aktiv. 10.30 Uhr war zum Gottesdienst in die Kirche eingeladen worden, der von den Kileicateilnehmern vorbereitet, gestaltet und durchgeführt wurde. Dabei kamen fast alle Ausbildungsinhalte nochmals zur Anwendung. Ein Kreativteam bereitete Mitgebsel für jeden Gottesdienstbesucher vor. Ein Mädchen schrieb eigenformulierte Fürbittengebete, welche dann zu Dritt gelesen wurden. Orgelvor- und Orgelnachspiel übten zwei der Teilnehmenden und brachten sie im Gottesdienst zu Gehör. Auch die Geschichte um Franz von Assisi wurde im Gottesdienst von einigen Teilnehmern kreativ und anschaulich vermittelt. Viele Eltern waren zum Gottesdienst, um ihre Kinder live zu erleben.

„Dass die Kileica – Ausbildung genutzt wird, ist ein Beispiel dafür, dass es auch heute noch Kinder und Jugendliche gibt, die etwas bewirken wollen. Das ist ein hohes Gut, welches von unschätzbarem Wert für die einzelnen Kirchgemeinden ist“, so Doris Gerhardt, „Jetzt, nachdem die Ausbildung absolviert ist, die Kinder Wissen erworben haben, sollte das aber auch von den hauptamtlichen Mitarbeitern und Pfarrern vor Ort abgerufen werden. Wenn die Kinder und Jugendlichen das Gefühl des Gebrauchtwerdens haben, werden sie sich wertgeschätzt fühlen und eine Bindung zur eigenen Kirchgemeinde aufbauen.“ Weitere Treffen mit der Gruppe sind in Planung. Nach einer gelungenen Arbeit soll und darf auch gefeiert werden. Zunächst gibt einen Festgottesdienst am Sonntag, den 27. Oktober, 13.30 Uhr in Völkershausen. Da werden die Teilnehmenden des Kurses nochmals geehrt und es wird ihnen die „Kinderleitercard“ überreicht. Im Anschluss daran wird es Kirchenkaffee geben.

Der nächste Kileica-Kurs findet vom 18.09-20.09.2020 statt. Interessenten können sich gerne bei Frau Doris Gerhardt unter: 036962 51471 oder per Mail: doris.gerhardt@kkbasa.de, anmelden.

 

(Text und Fotos: Doris Gerhardt, Referentin des Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach für Kinder, Jugend und Familien.)


Mehr Fotos

 Einblicke in die Arbeit mit Bibeltexten. Damit waren die Kileicateilnehmenden gut für die Themeneinheiten Kindergottesdienst und Andacht gerüstet.   © Doris Gerhardt  Ausbildungseinheit: Erste Hilfe-Kurs für Kinder © Doris Gerhardt  Die Kinder durften bei dem Singspiel am Samstag, den 7. September in Stadtlengsfeld aktiv mitwirken. © Doris Gerhardt  Ein Kreativteam bereitete Mitgebsel für jeden Gottesdienstbesucher vor. © Doris Gerhardt  Bei dem Erste Hilfe-Kurs mit Krankenschwester Annika Hammerschmidt wurde den Jugendlichen das Anlegen unterschiedlicher Verbände gezeigt. © Doris Gerhardt