31.03.2021
Interview zum Osterfest mit dem amt. Superintendenten

1) Welche Bedeutung haben die bevorstehenden Osterfeiertage für Sie persönlich und die Gläubigen in der Region?

Ostern ist das zentrale Fest für alle christlichen Kirchen. Die Auferstehung Jesu Christi hat den damals trauernden Jüngern, die ihren Herrn und ihr großes Vorbild im Leben und im Glauben war, neue Kraft gegeben. Ostern und das folgende Pfingstfest gaben den Jüngern Kraft und Mut, weiterzusagen, was sie selbst mutig gemacht hat. Auf einem langen Weg ist daraus die christliche Kirche entstanden.

Die Auferstehung des Herrn und die daraus folgende Lebensermutigung können uns bis heute mit dieser Kraft ausrüsten, Zeugen für den lebendigen Gott zu sein.

Für mich persönlich ist das die Kraft aus der ich lebe und auch arbeite. Das muss ich nicht verkündigen, sondern das will ich verkündigen, weil ich selbst daraus lebe.

Ostern ist zudem ein wunderbares Fest, das wir feiern umgeben von einer meist gerade erwachenden Natur. Aus diesem Erleben viele Bräuche, die in unserer Region lebendig sind. Darum ist es schmerzlich, auf den zentralen Punkt der Verkündigung in der gewohnten Weise zu verzichten.

2) Die Politik bittet um den Verzicht von Präsenz-Gottesdiensten an den Osterfeiertagen. Wie stehen Sie dazu?

Ich erlebe viele ängstliche Menschen. Das Verständnis für die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ist immer noch groß, scheint aber zu schwinden, weil manche politischen Entscheidungen nicht nachvollziehbar logisch sind.

Ich möchte auch selbst nicht krank werden und durch große Veranstaltungen womöglich dazu beitragen, dass andere Menschen krank werden.

Ich habe Gespräche im Vorfeld der Vorschläge über Ruhetage zu Ostern vermisst. Und auch wenn dieses Thema vom Tisch genommen wurde, haben die Veröffentlichungen doch verunsichert.

Mir werden zu Ostern die Menschen in den Gemeinden fehlen. Ich segne gern und ich feiere mit Freude das Abendmahl, außerdem singe ich gern, auch in Chören. Das fehlt mir nun schon lange und wird mir an den Feiertagen sicherlich noch ganz anders bewusst. Ich lebe von Präsenz, ich definiere mich und meine Arbeit als Pfarrer als Mensch in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Der Verzicht tut weh.

3) Gibt es im Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach Alternativen, zum Beispiel digitale Gottesdienste?

Bereits seit Beginn der Pandemie im März 2020 gibt es das Angebot des Kirchenkreises in der Form der Onlinegottesdienste. Die Stärke dieser Gottesdienste ist die Präsenz der Pfarrerinnen und Pfarrerinnen und anderer Mitarbeiterinnen, die den Menschen in der Region bekannt und vertraut sind.

Ich bin sehr dankbar für die große Bereitschaft zur Mitarbeit in der Dienstgemeinschaft. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeiten zur Veröffentlichung, die uns Herr Nolte im Rhönkanal und unsere Öffentlichkeitsbeauftragte Julia Otto ermöglicht haben.

Aber das Spektrum der Ideen und Angebote geht weit über dieses Format hinaus. In vielen Gemeinden werden Online-Angebote gemacht, Podcasts verbreitet oder Gemeindeglieder auch durch das Telefon oder schriftlich erreicht. Besonders auch die Angebote für Kinder begeistern mich, in vielen Häusern wird in diesen Tagen ein Osterpanorama gebastelt und bemalt, das der Kirchenkreis in über 1.000 Exemplaren zur Verfügung gestellt hat.

Die Präsenz sieht gerade ganz anders aus, aber untätig sind die Menschen und Mitarbeitenden in den Gemeinden des Kirchenkreises gewiss nicht.

4) Können diese Alternativen die Präsenz-Gottesdienste ersetzen? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie?

Ersetzen im vollwertigen Sinn können diese Angebote das Zusammensein nicht. Aber mich haben in den letzten Monaten viele Menschen angerufen, die mir gesagt haben, wie wichtig ein kleines Lebenszeichen ihrer Kirchengemeinde für sie war.

Wir werden sicherlich weiter darüber nachdenken, welche Angebote sich bewährt haben und wie wir diese auch in einer Zeit nach Corona – die es ja hoffentlich geben wird – weiterführen können.

Sorge macht mir ein möglicher Neustart dennoch. Da sind viele Fragen: Wie wird es mit den Chören oder Seniorenkreisen nach einer langen Pause weitergehen? Wie wird die Arbeit mit Kindern, Konfirmanden und Jugendlichen weitergehen?

Wir werden uns nicht der Illusion hingeben können, es würde einfach so alles sein wie vorher. Die Pandemie und auch der Schrecken über unsere Verletzbarkeit wird Wirkung zeigen.

5) Es ist das zweite Osterfest im Lockdown in Folge. Welche Forderungen/Wünsche haben Sie, damit der Alltag auch in den Kirchen zurückkehrt?

Ich freue mich wie ein kleines Kind auf den kräftigen Gemeindegesang und auf feierliche Gottesdienste z. B. zu den Abendgottesdiensten des Kirchenkreises. Ich sehe die dringende Notwendigkeit, trauernden Menschen wieder näher zu sein und sie auf dem schweren Weg zu begleiten. Ich habe Angst, dass gerade in den traditionell geprägten Dörfern tragende Dinge in Vergessenheit geraten, z. B. die Anteilnahme bei Trauerfeiern.

Das zweite Osterfest im Lockdown macht  mich traurig. Gleichzeitig gebe ich die Hoffnung und Zuversicht nicht auf, dass unsere Kirche und die Gemeinden ihren Auftrag ernst nehmen und der kann nur lauten: Wir verkündigen den auferstandenen Herrn – in welcher Form auch immer.

Und mich berühren die Worte einer langjährigen Mitarbeiterin, die in der Diskussion über die Frage nach Präsenzgottesdiensten einwarf: Wir verkündigen den auferstandenen Christus doch in jedem Sonntagsgottesdienst. Das ist wahr, denn jeder Sonntag ist ein kleines Fest der Auferstehung, das sieht man in vielen Kirchen an der brennenden Osterkerze.

Mein Fazit lautet: Ich bin traurig, aber nicht ohne Hoffnung!

 

Ihr Alfred Spekker,

Pfarrer in Frankenheim & amtierender Superintendent des Ev.-Luth. Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach