28.12.2020
Ein lichter Abend in dunkler Zeit! Heiligabend in Bad Salzungen

Die Corona-Krise ließ auch die Kirchgemeinde in Bad Salzungen kreativ werden. In diesem Jahr brauchte es für den Heiligenabend einen alternativen Platz zur Stadtkirche und ein besonderes Hygienekonzept, um alle Regeln einzuhalten und die Besucher dabei zu schützen.

Unter dem Motto „Ihr Kinderlein kommet“ fand am 24. Dezember ein Freiluftgottesdienst auf dem Marktplatz in Bad Salzungen statt. Der gesamte Marktplatz wurde von dem Vorbereitungsteam mit Kreidespray in Felder unterteilt. „Selbstverständlich ist das Kreidespray wasserlöslich und wird durch die Witterung wieder verblassen“, erzählt Kirchenälteste Nadja Ramisch aus Bad Salzungen. Somit standen für jede Person oder kleine Familie 10 qm Platz zur Verfügung. Ordner wiesen den Besuchern ihre Plätze zu und sorgten dafür, dass die AHA-Regeln vor Ort eingehalten wurden.

„Der Freiluftgottesdienst ist für uns eine gute Alternative, um die Menschen zu erreichen, die nicht online sein können und wollen. Der Marktplatz bietet uns dabei viel mehr Platz und soll verhindern, dass Gottesdienstbesucher ausgeschlossen werden müssen.“, so Nadja Ramisch.

Rund 150 Besucher waren zum Familien-Gottesdienst gekommen, manche gezielt, manche zufällig.

Kurzerhand wurde die Terrasse von der Cocktailbar „SEE you“, die Florian Diller aus Bad Salzungen zur Verfügung stellte, zur Bühne umfunktioniert.

Nach der Begrüßung durch Pfarrer Dietmar Schwesig trug der 7-jährige Maximilian Ramisch aus Bad Salzungen ein Gedicht über das Friedenslicht aus Bethlehem vor. Anschließend verlas Nadja Ramisch Prophetenworte aus dem Alten Testament und die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium.

Situationsbedingt konnte vorab nicht wie gewohnt mit Kindern geprobt werden. Aber Kinder und Familien konnten jetzt vor Ort - jeweils an ihrem Platz – an dem Bewegungskrippenspiel mit teilhaben. Gemeindepädagogin Doreen Pehlert aus Bad Salzungen hatte dieses besondere Krippenspiel für Groß und Klein vorbereitet. Besonders bei den Kindern sorgte das für großen Spaß – und ließ die Sorgen über die Pandemie für einen Moment in den Hintergrund rücken.

Auf das Singen musste coronabedingt verzichtet werden. Dafür sorgten einige Posaunenbläser aus Bad Salzungen, die sich in weiten Abständen untereinander und zu den Gottesdienstbesuchern aufgestellt hatten, auf instrumentale Weise für die weihnachtliche Atmosphäre. Kreiskantor Hartmut Meinhardt hatte die Leitung inne. Für die Warm-Up-Musik und Technik vor Ort war „DJ Charly“ verantwortlich.

 

Fürchtet euch nicht!

Gerade in diesem Winter mit Corona ist es aber für manche Menschen doppelt finster. Die Tage sind kurz und dunkel – dazu gesellt sich die Angst vor unkalkulierbaren gesundheitlichen Risiken.

Die Ereignisse unserer Zeit sind bedenklich: Wir kämpfen mit einem Virus, das nicht nur das Leben des Einzelnen bedroht, sondern auch unser Miteinander nachhaltig beeinträchtigt. Wir halten Abstand, Distanz. Die anfänglich von vielen erhoffte Solidarität und praktizierte Nächstenliebe haben sich schnell auf einen Kreis von unermüdlich Engagierten reduziert. Auf der anderen Seite wird Menschen offenbar kein Verantwortungsbewusstsein mehr zugetraut. Alles wird vorgeschrieben und reglementiert. „So viele Ungereimtheiten bei uns und unter uns. Wir hören dieses und hören jenes … . Halten wir lieber Abstand – oder stärken wir unsere Abwehrkräfte, indem wir viel Liebe und Wärme von Menschen bekommen und an sie weitergeben? Und überhaupt: Können wir uns guten Gewissens neuartigen Impfstoffen anvertrauen oder bilden Sie eine Gefahr für Immunreaktion oder Erbanlagen. So viele Stimmen um uns herum. Wem aber kann ich wirklich vertrauen?“, so Pfarrer Schwesig in seiner Predigt. Und: „Wir brauchen das Licht Gottes für unser Leben. … Denn wo Gottesfinsternis herrscht, da verirren und verrennen sich die Menschen leicht. Da werden sie nicht zuletzt überheblich – und mitunter fallen sie am Ende tief. Vielmehr aber brauchen wir heute, so wie die Hirten damals vor Bethlehem, Gottes helle Klarheit, auch damit Menschen maßvolle Urteile und Entscheidungen fällen und verantwortlich Ziele für sich und andere abstecken.“

Gerade deshalb sei die Botschaft jener Heiligen Nacht so lebens-, ja überlebenswichtig: „Fürchtet euch nicht!“ Das war die Botschaft des Engels an die Hirten, die zunächst alles, was sich da ereignete, nicht einordnen konnten! „Euch ist heute … der Retter geboren; er ist der Messias, der HERR.“ Genau darum gehe es ja an Weihnachten. Wir werden daran erinnert und feiern, dass wir in allem Dunkel der Welt und unseres Lebens, in allen Unsicherheiten, Sorgen und Ängsten darauf vertrauen dürfen:

ER geht mit uns auf allen Wegen. ER leitet uns an bei unserem Tun. „Weihnachten ist die Freude darüber, dass Gott sein Licht in dieser Welt tatsächlich und real scheinen läßt“, so Pfarrer Schwesig. „Wir können fröhlich werden wie die Hirten. Können sogar manchmal wieder richtig vor Gott jubeln … Bekommen vor allem aber von IHM neue und echte Hoffnung geschenkt.“

Im Frieden und Segen der stillen Nacht von Bethlehem – die so still ja gar nicht gewesen sein kann – gingen nach einer guten halben Stunde alle wieder auseinander, zurück in ihre Wohnungen und Häuser. Die Melodie von „Stille Nacht, heilige Nacht“, noch gegen Ende von den Instrumentalisten vorgetragen, mag dabei noch eine ganze Weile in ihnen nachgeklungen haben … .


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 Ausreichend Abstand und unter freiem Himmel: Am Heiligabend fand ein Familiengottesdienst mit einem Mitmach-Krippenspiel in Bad Salzungen auf dem Markt statt.  Von links: Gemeindepädagogin Doreen Pehlert, Maximilian Ramisch, Kirchenälteste Nadja Ramisch und Pfarrer Dietmar Schwesig.