11.04.2020
Ostergedanken

von Pfarrer Norbert Endter aus Schweina

Die Schaukel des Lebens …

Hier kommen ein paar Ostergedanken. Die drehen sich um eine Frage. Sozusagen eine Machtfrage. Was ist eigentlich stärker … Leben oder Tod? Man könnte sagen: Okay, alles Lebendige muß eines Tages sterben. Ich gehöre auch dazu. Das ist wie ein Naturgesetz. Gilt für jeden Menschen. Auf der ganzen Erde. Egal, wo jemand wohnt. Und egal in welcher Zeit jemand geboren wird.

Das ist so ähnlich wie das Gesetz der Schwerkraft. Das gilt ja auch für alle Menschen und Gegenstände. Schwerkraft zieht alles nach unten. Ist halt ein Naturgesetz. Kann man nichts dagegen machen. Oder doch? Kann man so ein Naturgesetz überwinden? Austricksen? Besiegen? Damit nicht der Tod das letzte Wort hat. Sondern das Leben. Wie gesagt: Zu Ostern geht es um die Machtfrage.

Ich gebe mal ein Beispiel. In Dermbach. Wo ich geboren bin. Da stand bei uns im Garten ein riesengroßer Birnbaum. Mit einer mächtigen Krone. Mein Opa hat eine Schaukel da hinein gehängt. Für seine Enkel. Eines Tages hob er mich hoch. Und setzte mich in die Schaukel. Ich war noch ziemlich klein. Mit meinen Händen hielt ich mich fest. An den Seilen. Aber mit Schaukeln war nichts zu machen. Ich hing hilflos da drin. Hab mit den Beinen gewackelt und gezappelt und geheult. Nichts passierte. Es war die Schwerkraft. Die hat mich nach unten gezogen. Ob ich wollte oder nicht.

Mein Opa lachte und sagte: Paß auf, ich geb dir Schwung. Halt dich schön fest. Dann legte er seine große, starke Hand auf meinen schmalen Kinderrücken. Da, wo mein Herz ganz aufgeregt schlug. Und schob mich nach vorne. Dann noch einmal. Und immer wieder. Meine Schaukel flog nach oben. Bis hoch zum Blätterdach vom alten Birnbaum. Bis hoch zum Himmel. So kam es mir vor. Wind fegte durch die Haare. Ich fühlte mich leicht und beschwingt. Es krabbelte im Bauch. Und ich wollte gar nicht wieder aufhören. Opa, schubs mich noch mal an. Das Gesetz der Schwerkraft war überwunden. Durch das Gesetz der Liebe. Mein Opa liebte mich. Darum gab er mir Schwung und Leben und Freude.

So ähnlich ist das mit Ostern. Komm her zu mir, sagt Jesus. Laß mich hinein in dein Herz. Hinein in dein Leben. Ich lege meine Hand auf dich. Ich gebe dir neues Leben. Aber nur, wenn du willst. Nur, wenn du zustimmst. Und alles, was dich nach unten zieht. Angst, Trauer, Sünde, das Gesetz des Sterbens. Das nehme ich von dir. Ich befreie dich. Weil ich die Macht dazu habe. Willst du das?

Ostern heißt für mich: Die Machtfrage wird geklärt. Jesus ist stärker als der Tod. Und wichtig dabei ist die Berührung. Wenn mein Opa mich nicht berührt hätte mit seiner Hand. Ich wäre in der Schaukel hängengeblieben. Dem Gesetz der Schwerkraft restlos ausgeliefert. Und jetzt wird die Machtfrage zur Entscheidungsfrage. Für jeden einzelnen Menschen. Ich kann zappelnd und heulend hängenbleiben in meiner Schaukel. Oder ich sage: Gott, schenke mir neues Leben. Gib mir Schwung und Freude. Damit mein Herz dem Himmel entgegen fliegt. Damit es Ostern wird auch in meinem Leben.