26.01.2021
Zum 76. Jahrestag der Befreiung des KZ Ausschwitz: Stilles Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar, am Holocaust-Gedenktag, werden um 10:30 Uhr Pfarrer Rudolf Mader und Pfarrer Thomas Volkmann stellvertretend für die evangelischen Christen in Bad Salzungen und Umgebung einen Kranz am Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus niederlegen und beten. „Auch wenn das Gedenken dieses Jahr ohne Publikum und anders gestaltet werden muss, ist es uns wichtig, dass die Gräueltaten des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten,“ erklärt Pfr. Thomas Volkmann. „Das ist umso dringender, weil wichtige Zeitzeugen nicht mehr leben, die uns daran erinnern können.“ Zugleich erfülle uns der Gedanke an die systematische Verfolgung und das massenhafte Sterben von Juden, Sinti und Roma, aber auch politischer Häftlinge und gesellschaftlich Geächteter mit tiefer Trauer, machten die beiden Pfarrer an der Gedenkstätte im Rathenau-Park deutlich.

Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Es ist zugleich der Jahrestag der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 76 Jahren, in dem mehr als eine Million Juden ermordet wurden. „Auschwitz steht aber auch für eine gnadenlose Verfolgung und massenhafte Ermordung von Menschen, die nicht ins System passen, die anders aussehen, die woanders herkommen, die anders denken, die nicht in das eigene Weltbild passen. Aber als Christen müssen wir deutlich machen: Es gibt keine Menschen 2. oder 3. Klasse. Es ist unmenschlich, Menschen zu stigmatisieren, auszugrenzen oder zu verfolgen, denn vor Gott sind alle gleich. Und zum Glück sahen das die Väter des Grundgesetzes ebenso: die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Beide Pfarrer mahnten zugleich: „Es ist erschreckend, wie weit noch immer rassistisches und antisemitisches Gedankengut bis in die Mitte Gesellschaft hinein verbreitet ist.“ Der Anschlag auf die Synagoge in Halle, aber auch die alljährlichen Untersuchungen im Thüringen-Monitor, zeigten dies deutlich auf. „Daher sollte es selbstverständlich sein, aus christlicher und geschichtlicher Verantwortung heraus klar Position zu beziehen und sich gegen jeglichen Antisemitismus, jeden Rassismus, jede Ausgrenzung und Stigmatisierung einzusetzen,“ so die beiden Theologen.

 

(Gastbeitrag von Pfarrer Thomas Volkmann aus Tiefenort)