05.02.2026
Ein Abend, der unter die Haut ging: Wenn in Tiefenort die Kirche rockt
Manchmal muss man etwas einfach erlebt haben. Wer am vergangenen Sonntagabend zufällig an der St. Peterskirche vorbeikam, hätte stutzen können: Aus den geöffneten Türen drangen nicht Orgelklänge, sondern Gitarrenriffs und vertraute Melodien. Drinnen: kein gedämpftes Flüstern, sondern konzentrierte Stille, unterbrochen von spontanem Applaus. Dazu die einzigartige Atmosphäre der Lichterkirche.
„Nie gedacht, dass ich in der Kirche Gänsehaut bekomme“
„Ehrlich gesagt, ich hätte nie gedacht, dass ich mal in einem Gottesdienst Gänsehaut bekomme“, sagt eine junge Besucherin später beim Glühwein. Schon die ersten Töne von „Kyrie, Kyrie eleison“ durch Mathias Gunia und Michael „Muggemicha“ Gerlach – dem Duo „The Quite Side“ – machten deutlich: Hier sitzen Profis an den Instrumenten. „Aber als ‚Sound of Silence‘ angestimmt wurde… da war was los. In mir. Und um mich herum.“
Dieser Lichter-Gottesdienst war anders. Das hörte man nicht nur an der Musik – von den Beatles über Simon & Garfunkel bis hin zu Songs wie „Der Sucher“. Man spürte es regelrecht: hier wurde kein Programm abgespult. Hier wurde nahbar, ehrlich und kraftvoll gefeiert, was Gemeinschaft und Glaube heute bedeuten können.
Jesus als Licht an deiner Seite – gegen Angst und Hoffnungslosigkeit
Die Botschaft war so einfach wie tief: Jesus als Licht an deiner Seite. Nicht als ferne Gestalt, sondern als reale Gegenkraft. Gegen die Angst, die lähmt. Gegen die Hoffnungslosigkeit, die sich breitmacht. Gegen die Verzagtheit, wenn alles zu viel wird. Pfarrer Thomas Volkmann und sein Team – darunter Mario Gratz, Joachim Krug und Ines Wiegand – packten das in starke Bilder: Vom einsamen Johannes auf Patmos bis zum Bergmann im stockfinsteren Schacht von Merkers, für den das Licht der Grubenlampe lebensrettend ist.
„Dieser kleine Lichtschein unter der Tür – das war das Bild, das mir bleibt“, erzählt ein älterer Herr. „Das hat mir mehr gesagt als manche lange Predigt. Dass da einer ist. Dass ich nicht im Dunkeln sitze.“
Kerzenritual und Segen: Momente, die bleiben
Der Höhepunkt für viele: das Kerzenritual. Menschen strömten nach vorn, um im großen geschmiedeten Fisch vor dem Altar ihr eigenes Licht zu entzünden. Für einen kranken Freund. Für den eigenen Neuanfang. Für Frieden. „Das war kein Pflichtprogramm“, beobachtet ein Gemeindemitglied. „Das kam von innen. Man sah es den Gesichtern an.“ Auch die Einladung zum persönlichen Segen durch Pfarrer Volkmann wurde von vielen gerne und sichtlich bewegt angenommen.
„Die Musik war total stimmig – gerne wieder!“
Und die Musik? „Total stimmig“, findet ein Besucherpaar. „Die Lieder passten perfekt zum Anlass. Nicht aufgedrückt, sondern echt. Hat uns richtig gut gefallen. Gern wieder!“
Genau das ist der Tenor, der am Ende des Abends steht: Gern wieder. Nach dem offiziellen Teil standen die Menschen noch lange bei Glühwein in der illuminierten Kirche zusammen. Es wurde gelacht, diskutiert, zugehört. Die Band spielte weiter, und das Publikum war bei bester Stimmung.
Die Kirchengemeinde Tiefenort hat an diesem Abend kein Event veranstaltet. Sie hat einen Raum geöffnet. Für Stille und für Sound. Für persönliche Momente und für gemeinsames Größeres. Und sie hat damit vielen eine sehr konkrete Hoffnung mitgegeben: Dass ein einzelner Lichtschein alles verändern kann. Man muss ihn nur anzünden.
Ein Abend, der beweist: Kirche kann. Und so ein Abend wird in Tiefenort sicher nicht der letzte seiner Art gewesen sein.
Thomas Volkmann