25.02.2020
Fastnacht auf einer kirchlichen Webseite? Ja – passt das denn?

Karneval in Dorndorf

„Lachen und der Glaube an den lieben Gott gehören zusammen!“ Ausgehend von diesem Leitgedanken veranstaltet die 33-jährige Pfarrerin Franziska Freiberg seit 4 Jahren in Dorndorf das mittlerweile traditionelle Karnevals-Wochenende. Über den Gemeindekirchenrat ist die Dorndorfer Pfarrerin mit dem Karnevals Club (DKC) in Verbindung gekommen. Das Fest der Narren bedeutet heute noch: über sich selbst und die anderen auch einmal lachen können und nicht in Trauer und Sorge zu vergehen.

Am 23. Februar zeigte Pfarrerin Franziska Freiberg in den Gottesdiensten in Frauensee und Merkers, dass eine Büttenpredigt auch ohne Narrenmütze möglich ist: Jung und Alt kamen zum gereimten Faschingsgottesdienst. „Mit Kirche verbinden viele Menschen langweilige Gottesdienste. Laut zu lachen in der Kirche gehört sich nicht, oder?“ fragte Pfarrerin Freiberg aus Dorndorf im Gottesdienst. „In der Bibel wird nicht viel gelacht, aber es gibt viele Gründe zur Freude. Und echte Freude kann ich mir ohne Lachen nicht vorstellen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus im Kreis seiner Jünger immer nur bierernst dagesessen hat. Der, von dem es heißt, dass er gerne bei Feiern und Festen war, hatte gewiss Freude am Lachen“, so Pfarrerin Freiberg aus Dorndorf.

Mit dem Lied „Der Gottesdienst soll fröhlich sein“ stimmte die Pfarrerin die Besucher auf die Büttenpredigt ein.

 

Auszug aus der Büttenpredigt von Pfarrerin Franziska Freiberg:

Doch woher sollen die jungen Menschen kommen,
frag ich mich ganz beklommen,
Taufe, Christenlehre, Konfirmation,
das wars dann auch schon?

Danach ist die Jugend verschwunden,
dreht anderswo ihre Runden.
Es ist, wie der Spruch schon sagt:
hast du Fledermäuse im Kirchturm zu beklagen,
kannst du sie nur durch Konfirmation verjagen.

Wir müssen neue Wege finden,
um die Not zu überwinden.
Machen wir doch die Türen auf,
dass der Geist nimmt seinen Lauf!

Warum kann ein Klempner nicht Pfarrer sein,
warum kommt man nur mir Studium in die Kirche rein?
16 Semester geben doch auch keine Gewähr,
dass einer Gott und Menschen liebt und zwar sehr.

Den Menschenfischer macht nicht seine Bildung aus,
sondern was kommt aus Herz und Mund heraus.
So oft müssen wir erleben,
dass Pfarrer nach was ganz anderem streben.

Sind wir nicht eigentlich für Luthers Botschaft blind,
wenn in den Gemeinden keine Pfarrer sind?
Wenn keine Zeit mehr ist für die Sorgen,
und hin und wieder ein Ohr zu borgen?

Wobei so viel zu hören gibt es nicht mehr in der Mitte,
jährlich werden es mehr und mehr Austritte.
Zu teuer, zu alt, nicht mehr meine Religion,
dabei zu bleiben purer Hohn.

Und die Treuen sterben aus.
Ich meine es ernst, es wird leer in unserem Haus.

Die Lösung für schwindende Gemeindeglieder,
1600 Schafe und ein Hirt,
nicht wundern, wenn Sie das verwirrt.

Pfarrer sein lebt vom Kontakt,
auch mal reden bis in die Nacht,
Zeit für Menschen haben und nicht immer eilen,
den Glauben ganz in Ruhe teilen.

Ich glaube, wir brauchen Mut und gute Ideen.
Damit wir eine Zukunft sehen.

Für die musikalische Begleitung sorgte Sandra Mälzer.
Anschließend kamen die Gottesdienstbesucher bei Kaffee und Pfannkuchen ins Gespräch.

 

Rosenmontagsfrühstück in Dorndorf

Um 9.00 Uhr fanden sich zum Rosenmontagsfrühstück Christen und Konfessionslose in Gemeindehaus in Dorndorf ein. Seit 4 Jahren freuen sich die Menschen über ein gemeinsames Frühstück. Hier nehmen sie an einer liebevoll gedeckten Tafel Platz und genießen den Morgen in der närrischen Gemeinschaft. Zu dieser Veranstaltung kommen vorwiegend Menschen, die konfessionslos sind, oder Christen, die sonst nur zwei Mal im Jahr die Kirche besuchen. „Bei den „nebenbei“ Gesprächen wird das, was die Menschen bewegt, und das, wonach sie sie sich sehnen, versprachlicht,“ erzählt Pfarrerin Freiberg. So bietet die Lebensfreude im Karneval und die niedrigschwellige Nähe zu der Gemeinde die Möglichkeit, auch Fernstehenden der Kirche zu begegnen.

Herbert Lochner aus Dorndorf erzählt: „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier fremd bin, auch wenn ich das zwischenzeitlich mal war. Ich glaube, das Christentum muss sich wandeln. Franziska Freiberg hat die Gabe, Glauben zu leben und bringt uns den Glauben mit ihrer offenen Art wieder näher“.

Der Höhepunkt war der Besuch des Dorndorfer Karnevals Club (DKC). Mit ihrem Einzug in das Gemeindehaus verbreitete der DKC eine ausgelassene Stimmung unter den Besuchern. Es wurde geschunkelt, gesungen und gelacht, was das Zeug hielt. Nach der musikalischen Darbietung sparten die Besucher auch nicht mit Applaus.

Anschließend begrüßte die junge Pfarrerin mit einem „Dorndorf HELAU“ die Besucher und führte mit der gereimten Büttenrede durch das letzte Kirchenjahr. Sie berichtet von „Mauer in den Köpfen zwischen Ost und West,“ die heute leider auch noch bei den jungen Konfirmanden fest verankert ist. Von den Diskussionen der Hygiene beim Abendmahl, aktuellen politischen Themen bis hin zum Kreiserntedankfest, das letztes Jahr in Kieselbach stattfand. Zum Abschluss appellierte sie an alle: „Sich auf Freiheit, Liebe und Toleranz zu besinnen“ und die Gebote des DKC „trinken, feiern und jubilieren“ einzuhalten.

„Unser Dank gilt auch den Helferinnen und Helfern, die im Hintergrund zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben“, so Franziska Freiberg.


Mehr Fotos

 Die Tafel beim Rosenmontagsfrühstück in Dorndorf war liebevoll gedeckt mit allem was das Herz begehrt. © Julia Otto  Mit dem Einzug in das Gemeindehaus verbreitete der DKC eine ausgelassene Stimmung unter den Besuchern. © Julia Otto  Es wurde geschunkelt, gesungen und gelacht, was das Zeug hielt.  © Julia Otto   © Julia Otto  Pfarrerin Franziska Freiberg aus Dorndorf brachte die Besucher mit ihrer gereimten Büttenrede zum Schmunzeln. © Julia Otto